35. Mitgliederversammlung des vti: Branche fordert Reformen und setzt auf Innovation
3. Juni 2026
Auf seiner 35. Mitgliederversammlung im Kultur- und Kongresszentrum Gera zog der Verband der Nord-Ostdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie (vti) Bilanz über das vergangene Jahr und diskutierte die zentralen Herausforderungen und Chancen der Branche. Im Fokus standen die wirtschaftliche Entwicklung der Unternehmen, die politische Interessenvertretung des Verbandes sowie die Innovations- und Zukunftsfähigkeit der Textilindustrie.
In seinem Grußwort hob der Oberbürgermeister der Stadt Gera Kurt Dannenberg die enge Verbundenheit der Stadt mit ihrer textilen Tradition hervor. Zugleich betonte er die Bedeutung der heute am Standort produzierenden Unternehmen, die mit ihren textilen Produkten erfolgreich auf internationalen Märkten agieren und damit einen wichtigen Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung der Region leisten.
In seinem Jahresbericht machte der Vorstand deutlich, dass die Branche weiterhin vor erheblichen Herausforderungen steht. Hohe Energie- und Personalkosten, eine verhaltene Nachfrage, zunehmende regulatorische Anforderungen sowie geopolitische Unsicherheiten prägen das wirtschaftliche Umfeld vieler Unternehmen. Einige Betriebe mussten ihre Geschäftstätigkeit einstellen, wodurch Arbeitsplätze, wertvolles Fachwissen und regionale Wertschöpfung verloren gingen.
Gleichzeitig betonte der Verband die hohe Innovationskraft der Textilindustrie. Als Beispiel wurde das Innovationszentrum für textile Kreislaufwirtschaft DICE vorgestellt, das neue Wege für nachhaltige und ressourcenschonende Produktionsprozesse aufzeigt. Nachhaltigkeit sei längst ein fester Bestandteil unternehmerischen Handelns in der Branche. Regulierung müsse jedoch praktikabel ausgestaltet werden und dürfe insbesondere mittelständische Unternehmen nicht überfordern.
Ein zentrales Anliegen des vti bleibt der Abbau bürokratischer Hürden. Der Verband fordert schnellere Genehmigungsverfahren, eine konsequente Digitalisierung der Verwaltung sowie die Einführung effizienter One-Stop-Shop-Lösungen für Unternehmen. Diese Positionen vertrat der vti im vergangenen Jahr in zahlreichen Gesprächen mit politischen Entscheidungsträgern, unter anderem mit dem sächsischen Ministerpräsidenten sowie Vertretern der Wirtschaftsministerien in Sachsen und Thüringen.
Auch die Tarif- und Arbeitsmarktpolitik spielte auf der Mitgliederversammlung eine wichtige Rolle. Die anhaltend angespannte wirtschaftliche Lage spiegelt sich zunehmend in arbeitsrechtlichen Auseinandersetzungen wider und stellt Unternehmen wie Sozialpartner vor zusätzliche Herausforderungen.
Als eine der wichtigsten Zukunftsaufgaben sieht der Verband weiterhin die Gewinnung von Nachwuchs- und Fachkräften. Um junge Menschen für die vielfältigen beruflichen Perspektiven in der modernen Textilindustrie zu begeistern, müsse die Branche ihre Sichtbarkeit weiter erhöhen und ihre Innovationskraft noch stärker kommunizieren.
Ein besonderes Highlight des Jahres 2025 war das Projekt „Textil? Zukunft!“ im Rahmen des Kulturhauptstadtjahres Chemnitz. An neun Standorten präsentierte sich die Branche einem breiten Publikum und zeigte eindrucksvoll ihre technologische Leistungsfähigkeit sowie ihre gesellschaftliche Relevanz. Die große Resonanz mit mehreren tausend Besucherinnen und Besuchern unterstrich das hohe Interesse an textilen Innovationen und Zukunftstechnologien.
Darüber hinaus blickte der Verband auf zahlreiche erfolgreiche Veranstaltungen zurück. Branchentage und Fachseminare boten wichtige Plattformen für Austausch, Vernetzung und Wissenstransfer. Insbesondere die Zusammenarbeit mit Forschungsinstituten erwies sich erneut als wertvoller Impulsgeber für Innovationen und den Technologietransfer.
Im Rahmen der Mitgliederversammlung wurden zudem personelle Veränderungen im Tarif- und Sozialausschuss bekannt gegeben.
Neu in den Vorstand des vti gewählt wurde Herr Gunnar Schulz von der Ontex Hygieneartikel Deutschland GmbH in Großpostwitz. Der bisherige Unternehmensvertreter stand nach seinem Ausscheiden aus dem Unternehmen nicht mehr für eine weitere Mitarbeit im Vorstand zur Verfügung.
Die Mitglieder waren sich einig: Trotz anspruchsvoller Rahmenbedingungen verfügt die Textilindustrie in Mitteldeutschland über erhebliche Potenziale. Mit Innovationskraft, Nachhaltigkeit und einer starken Interessenvertretung will der vti die Zukunft der Branche aktiv mitgestalten und die Wettbewerbsfähigkeit seiner Mitgliedsunternehmen nachhaltig stärken.
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