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vti: Russland-Sanktionen und exorbitant hohe Energiekosten schaden der Wirtschaft

08. August 2019

Textilunternehmer im Dialog mit Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer

Treuen / Chemnitz, 7. August 2019 – Der Verband der Nord-Ostdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie e. V. (vti), Chemnitz, hat sich für die Aufhebung des Russland-Embargos der EU ausgesprochen. „Derartige Maßnahmen schaden der heimischen Wirtschaft und taugen nicht dazu, politische Probleme zu lösen“, erklärte vti-Vorstandsvorsitzender Thomas Lindner am 7. August 2019 während eines Besuchs von Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer in der Vowalon Beschichtung GmbH, Treuen/V. (siehe dazu Extra-Medieninfo). „Wir unterstützen Sie, Herr Ministerpräsident, in Ihrer konsequenten Haltung bezüglich der Beendigung der Wirtschaftssanktionen gegen Russland“, betonte der Inhaber der Strumpfwerk Lindner GmbH, Hohenstein-Ernstthal, der zugleich die Funktion eines Vizepräsidenten des Gesamtverbandes textil+mode e. V. (t+m), Berlin, ausübt, im Rahmen einer Gesprächsrunde, an der weitere Textilunternehmer sowie Vertreter aus der Kommunalpolitik teilnahmen.

Thomas Lindner bezeichnete die mit den Embargomaßnahmen einhergegangene Schwächung des Rubels und das geschwundene Vertrauen auf Seiten der angestammten Partner im Osten als Hauptursachen für die dramatischen Einbrüche der deutschen Textilexporte in die Russische Föderation: „Vor dem Embargo – also bis ins Jahr 2013 – hat die deutsche Textil- und Bekleidungsindustrie jährlich Waren im Wert von nahezu 1 Mrd. EUR nach Russland verkauft. 2016 war der Tiefpunkt mit zirka 560 Mio. EUR erreicht. Danach ging es langsam wieder bergauf; 2018 beliefen sich die Russland-Exporte der deutschen Textilindustrie auf rund 684 Mio. EUR. Dennoch liegen wir damit um 32 Prozent - also um rund ein Drittel - unter dem Ausgangswert.“

Ein anderes Beispiel für die verhängnisvolle politische Einflussnahme auf die Wirtschaft seien die im Zuge der Energiewende in Deutschland entstandenen exorbitant hohen Energiekosten, hob der vti-Vorstandsvorsitzende hervor: „Die unlängst verkündete moderate Senkung der EEG-Umlage wird als Erfolg gefeiert, bringt unseren Firmen aber leider nicht die erhoffte Entlastung. Denn grundsätzlich hat sich an den Strompreisen und den Netzentgelten, die im Osten nach wie vor höher sind als im Altbundesgebiet, nichts geändert.“ Im Gegensatz zur sächsischen Staatsregierung habe die Bundesregierung die Dramatik dieses Problems offenbar noch immer nicht erkannt. Thomas Lindner verwies auf den Fachkräftemangel in der rund 12.000 Mitarbeiter zählenden sächsischen Textil- und Bekleidungsbranche und bekräftigte die Forderung des vti, die laute: nachhaltige Sicherung des Berufsnachwuchses durch eine hochwertige duale Ausbildung. An Michael Kretschmer gewandt, sagte er: „Auch an rein praktische Dinge ist zu denken: Viele Auszubildende haben lange Wege zu ihren Berufsbildungseinrichtungen. Hier kann der Freistaat mit Maßnahmen wie dem kostengünstigen Azubi-Ticket und der Bezuschussung von Wohnheimplätzen helfen. Bereits seit längerer Zeit sind wir gemeinsam mit dem Vogtlandkreis und weiteren Bildungsträgern zum Ausbau der in Plauen vorhandenen textilen Ausbildungskapazitäten im Gespräch. Ein Kompetenzzentrum soll entstehen, von dem alle ostdeutschen Textilunternehmen profitieren können. Nun gilt es, zeitnah ein bedarfsgerechtes Ausbildungskonzept mit einer passenden Finanzierung umzusetzen!“ Dies sei eines der Themen beim nächsten Branchentag Textil Erzgebirge-Vogtland, der am 4. Nov. 2019 in der C. H. Müller GmbH, Heinsdorfergrund, stattfinden wird.

Nach jüngsten Hochrechnungen des vti ist der Gesamtumsatz der ostdeutschen Textil- und Bekleidungsbranche im ersten Halbjahr 2019 gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres um rund 5 Prozent zurückgegangen. „Damit verzeichnen wir eine ähnliche Entwicklung wie andere Branchen auch“, kommentierte vti-Hauptgeschäftsführer Dr.-Ing. Jenz Otto. Das Jahr 2018 habe man mit einem Gesamtumsatz von 1,87 Mrd. Euro und damit einer „schwarzen Null“ im Vergleich zu 2017 abschließen können. Dieses Ergebnis werde man 2019 voraussichtlich nicht erreichen. Die Ursachen dafür reichten von der allgemeinen Konjunkturflaute über die weltweiten Auswirkungen von Handelsbeschränkungen bis hin zu Auftragsrückgängen von Abnehmern aus der Automobilindustrie.

Fakten & Zahlen zur ostdeutschen Textil- und Bekleidungsbranche

In den 1990er Jahren hatte die Textil- und Bekleidungsindustrie in den jungen Bundesländern einen beispiellosen und schmerzhaften Strukturwandel zu bewältigen. Von den heute insgesamt 16.000 Beschäftigten sind 12.000 in Sachsen und 2.500 in Thüringen tätig. Damit gehört diese Region neben NRW, Baden-Württemberg und Bayern zu den vier großen deutschen Textilstandorten. Sie verfügt über moderne Spinnereien, Webereien, Strickereien, Wirkereien, Vliesstoffhersteller, Stickereien, Veredelungsbetriebe und Konfektionäre sowie über leistungsfähige Forschungs- und Bildungseinrichtungen. Die Textil- und Bekleidungsunternehmen im Verbandsgebiet produzieren u. a. Garne und Nähfäden; Vliesstoffe sowie Gurte und Bänder für technische Anwendungen, Damaste, Leinengewebe, Frottierwaren, Schutzbekleidungen, Strümpfe, Socken, Damen-Oberbekleidung, Strickwaren, Bodywear sowie Hygiene- und Bautextilien. Weit mehr als die Hälfte des Umsatzes der ostdeutschen Textil- und Bekleidungsbranche entfällt auf die Technischen Textilien, gefolgt von den Heimtextilien mit rund 30 Prozent und dem Bekleidungssektor mit zirka 10 Prozent. Der vti wirkt als Interessenvertreter auf Landes-, Bundes- und EU-Ebene, als Tarif- und Sozialpartner sowie als Dienstleister für seine rund 160 Mitgliedsunternehmen.

Medien-Kontakt

Hauptgeschäftsführer

Dr.-Ing. Jenz Otto

E-Mail: vti@vti-online.de

Telefon: 0371 5347 246