Chemnitz / Zwickau, 26. April 2017
Tarif-Kompromiss in ostdeutscher Textilbranche
Mehr Einkommen für Beschäftigte – Planungssicherheit für Unternehmen

Die Tarifverhandlungen in der ostdeutschen Textilbranche sind am 25. April 2017 in der zweiten Verhandlungsrunde in Zwickau erfolgreich abgeschlossen worden. Die IG Metall und der vti einigten sich auf einen Vertrag mit 24 Monaten Laufzeit. „Nach sehr intensiven Verhandlungen haben wir einen tragfähigen Kompromiss erreicht, der den Beschäftigten entgegenkommt und unseren Unternehmen mittelfristig Planungssicherheit bringt.“, kommentierte Ralf Lechner, Vorsitzender des Tarif- und Sozialausschusses des vti, das Verhandlungsergebnis.  „Das deutliche Einkommensplus, die verbesserten Bedingungen bei der Altersteilzeit sowie höhere Ausbildungsvergütungen sichern den Beschäftigten eine faire Teilhabe und sind ein wichtiges Signal für die Branche“, sagte IG Metall-Verhandlungsführer Manfred Menningen.

Demnach steigen die Entgelte für die Beschäftigten ab 1. Juni 2017 um 2,9 Prozent und ab 1. September 2018 um 1,9 Prozent. Das Urlaubsgeld erhöht sich auf 550 EUR im laufenden und auf 575 EUR im nächsten Jahr. Die Vergütungen für Auszubildende steigen ab 1. Juni 2017 überproportional im 1. Ausbildungsjahr auf 745 EUR, im 2. Ausbildungsjahr auf 795 EUR, im 3. Ausbildungsjahr auf 845 EUR und im 4. Ausbildungsjahr auf 895 Euro. Ab 1. September 2018 folgt eine weitere Erhöhung im 1. Ausbildungsjahr auf 765 EUR, im 2. Ausbildungsjahr auf 815 EUR, im 3. Ausbildungsjahr auf 865 EUR und im 4. Ausbildungsjahr auf 915 Euro. Beim Thema Altersteilzeit wurde vereinbart, den ausgelaufenen Tarifvertrag mit Änderungen wieder in Kraft zu setzen. Dieser enthält jetzt u. a. als Voraussetzung eine mindestens zehnjährige Betriebszugehörigkeit und bei der Berechnung der Anzahl der Anspruchsberechtigten eine Staffelung nach der Betriebsgröße.  Der Tarifvertrag zur unbefristeten Übernahme der Ausgebildeten wurde wieder in Kraft gesetzt.  In der Textil- und Bekleidungsbranche der jungen Bundesländer sind rund 16.000 Menschen tätig. Schwerpunktregionen sind Sachsen mit 12.000 und Thüringen mit 2.500 Beschäftigten.

Abschluss für Tarifgebiet West steht gleichfalls

Hightech & Tradition

Die Textil- und Modeindustrie der neuen Bundesländer ist eine weltweit bekannte Hightech-Branche mit großer Tradition. Insbesondere die Textilhersteller in Sachsen und Thüringen gehörten zu den Wegbereitern der industriellen Revolution in Deutschland.

 

Das Verbandsgebiet des vti gehört zu den wenigen europäischen Regionen mit einer geschlossenen textilen Kette. Sie umfasst Spinnereien, Webereien, Vliesstoffproduzenten, Veredler, Strickereien, Strumpfwirkereien, Hersteller von Heim- und Haustextilien, Designer & Konfektionäre für Schutzbekleidung und Mode sowie Produzenten technischer Textilien.

 

Insgesamt sind 16.000 Menschen in der mittelständisch geprägten Branche tätig, davon 12.000 in Sachsen und 2.500 in Thüringen. Mehr als 50 Prozent des Produktionsvolumens entfallen auf Technische Textilien, rund 30 Prozent auf Heimtextilien sowie knapp 20 Prozent auf Mode und Bekleidung.


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