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Lyohemp® – eine nachhaltige Alternative zu Baumwoll-Textilien

30. Januar 2020

Rudolstadt - Wenn es um Kleidung geht, sind Naturfasern schon seit Jahrhunderten der Rohstoff Nummer eins. Neben der Baumwolle waren die Bastfasern Hanf oder Flachs von jeher geschätzte Ausgangsstoffe. Vor allem wegen ihrer hohen Festigkeit und Beständigkeit. Allerdings ließen sich Hanftextilien nur durch eine Vielzahl teils nicht sehr umweltfreundlicher Aufbereitungsschritte produzieren. Erst der Weg über einen Chemiezellstoff ermöglicht eine nachhaltige Faser der neuen Generation: Lyohemp®.

Die dafür nötigen Prozess-Schritte hat jetzt ein Konsortium wirtschaftsnaher Forschungseinrichtungen und Unternehmen entwickelt. Seit 2017 arbeiten im Netzwerk „Hanf-Lyocell“ das TITK Rudolstadt und das STFI Chemnitz mit den Unternehmen Pahren Agrar Kooperation, VoFa Vogtlandfaser GmbH Pahren, OP Papirna Olsany (Tschechien), smartpolymer GmbH Rudolstadt, Gebr. Otto GmbH Dietenheim und Paul Uebel GmbH Limbach-Oberfrohna zusammen. Das gemeinsame Ziel: kontrolliert biologisch angebauten Hanf für die Herstellung umweltfreundlich erzeugter Bekleidungstextilien  nutzbar machen. Dabei nimmt das Netzwerk auch neue Verfahren zur Ernte und Aufbereitung der Hanfpflanze in den Fokus. Der Schwerpunkt liegt darauf, alle Pflanzenbestandteile zu verwenden. Vor dem Hintergrund der zunehmenden Legalisierung des Medizinhanf-Anbaus, bei dem nur das obere Drittel der Pflanze - Blüten und Samenstände – Verwendung finden, können dem Hanfanbauer nunmehr zusätzliche Einkünfte durch den Verkauf der Pflanzenstängel zufließen.

„Keiner unserer Netzwerkpartner hätte sich anfangs vorstellen können, welche Nachfrage nach Technologie und textilem Produkt sich daraus entwickeln würde“, resümiert Dr. Frank Meister, Abteilungsleiter Native Polymere und Chemische Forschung im TITK. Denn das Netzwerk entwickelte eine durchgängige Prozesslinie zur Herstellung von Cellulose-Regenerat-Fasergarnen. Das Ergebnis heißt Lyohemp® und ermöglicht extrem feine Fasern im Bereich von feinster Baumwolle. Zugleich bietet der neue Ausgangsstoff zeitgemäße tragephysiologische Eigenschaften, wie Anschmiegsamkeit oder Feuchtemanagement. Und nicht zuletzt eine einfache Verarbeitung entlang der textilen Kette.

Die Arbeitsresultate des Netzwerks sorgen inzwischen nicht nur national für Aufmerksamkeit, sondern veranlassen auch immer mehr Unternehmen aus Europa und der übrigen Welt, sie aufzugreifen und mit Hilfe eines unserer Netzwerkpartner in die Praxis umzusetzen. So traten zwischenzeitlich Unternehmen aus Frankreich, Portugal, aber auch aus Kanada an das Konsortium heran, um den Weg zu umweltschonenden Textilfasern aus Regenerat-Cellulose zu prüfen und Technologie und Know-how zu übernehmen. "Insofern ist es sicher nur noch eine Frage der Zeit bis zur Errichtung der ersten Lyohemp®-Faserproduktionsanlage", freut sich Dr. Meister  über eine Bilanz, die nicht jedes Netzwerk-Projekt vorweisen kann.

Kontakt

Thüringisches Institut für Textil- und Kunststoff-Forschung e.V.

Breitscheidstraße 97

07407 Rudolstadt

Telefon: +49 3672 379 530

Telefax: +49 3672 379 379

E- Mail: info@titk.de